Wolfsportrait - Bild: Rainer Simonis

Umgang mit dem Wolf

Gemeinsame Resolution der naturschutz- und jagdpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Stand: 23. Januar 2018

Hier ist die Resolution als pdf-Datei herunterladbar.

1. Der Wolf als Kulturfolger

Der Wolf ist Teil der biologischen Vielfalt in Europa und in Deutschland. Als Kulturfolger hat er sich in den letzten Jahrzehnten in weiten Teilen Europas verbreitet. Hierbei hat er sich als anpassungsfähig auch in vergleichsweise dicht besiedelten ländlichen Räumen gezeigt.

2. Akzeptanz und Kooperation

Grundlage für die Akzeptanz des Wolfes ist die gute Zusammenarbeit von Schaf- und anderen Nutztierhalter/innen mit verbandlichem Naturschutz und Behörden sowie sachliche Informationen über Ökologie und Verhalten des Wolfes. Nutztierhalter engagieren sich oft vorbildlich für naturnahe Nutzung von Grünland und sind daher wichtige Partner für Naturschutz und Tourismus bei der Erhaltung vielfältiger Kulturlandschaften. Wir befürworten Modellprojekte und Kooperationen zwischen Nutztierhaltern, Zaun- und Herdenschutzexperten, Naturschutz und Kommunen, auch, um Vertrauen aufzubauen bzw. zu festigen.

3. Herdenschutz und Unterstützung von Nutztierhaltern

Wir setzen uns ein für Zahlungen bei Schäden an Nutztieren, sei dies über staatliche Fonds gemeinsam mit den Verbänden oder über die Landeshaushalte und wir begrüßen Förderprogramme der Länder, Nutztierhalter/innen beim Kauf von wolfsabwehrenden Zäunen, dem Einsatz von Herdenschutzhunden und anderen Präventionsmaßnahmen finanziell zu unterstützen. Im Wissen darum, dass es häufig Probleme zwischen Weidehaltung und Wölfen gibt, setzen wir auf die in vielen unterschiedlichen Regionen Europas auch in den letzten Jahrzehnten praktisch existierende Koexistenz. Dazu gehört aber auch eine umfassende Unterstützung derjenigen, die naturnahe Weidehaltung praktizieren – dies soll Bestandteil der Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik sein.

Zu prüfen sind zudem beispielsweise Tierprämien in Bindung an Landschaftspflege, Erweiterung der De-Minimis-Regelung nach dem Vorbild Niedersachsens, Verbesserungen der Verwertung, Vermarktung und Verwendung von Wolle, kommunale Förderung von Stallbauten und die Unterstützung bei der Sicherung und Entwicklung von Wanderwegen. Die Länder fordern wir auf, intensive Beratung zum Herdenschutz mit Zäunen und Hunden durchzuführen und die Nutztierhalter in ihrem Bemühen für professionellen Wolfs- und damit Herdenschutz zu unterstützen. Dies gilt ausdrücklich auch für Nebenerwerbs-Nutztierhalter.

4. Versicherungsfragen

Wir fordern die juristische Klärung aller versicherungsrechtlichen Fragen für den Fall, dass Schafe oder andere Weidetiere vor Wölfen aus eingezäunten Bereichen insbesondere auf Verkehrswege fliehen bzw. auf diese getrieben werden.

5. Naturschutzrecht

Wir fordern, dass der Wolf im Anhang IV der FFH-Richtlinie verbleibt und dass er bundesweit sowie in den Ländern – und damit auch in Sachsen – ausschließlich dem Naturschutzrecht und nicht dem Jagdrecht unterliegt. Für Probleme mit Wölfen wie beispielsweise bei systematischem Überwinden von qualifizierten Herdenschutzzäunen, Tollwut oder gefährlichem Verhalten gegenüber Menschen ist konsequent und ausschließlich § 45 Abs. 7 BNatSchG anzuwenden. Dazu gehört in begründeten Fällen und soweit keine anderen Alternativen in Betracht kommen auch der Abschuss der entsprechenden Tiere.

6. Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes für den Wolf (DBBW)

Wir fordern die dauerhafte Unterstützung des DBBW in der Zuständigkeit des Bundesamtes für Naturschutz, um auch über eine jeweils aktuelle Aktualisierung der Informationen im Internet Wissenschaft, Naturschutzverbände und Verbände der Nutztierhalter/innen zu vernetzen. Hierzu gehört auch die Unterstützung eines professionellen Monitoring der Entwicklung der Wolfsbestände in den Bundesländern.

7. Bundesweites Fachkonzept

Wir erwarten vom Bundesamt für Naturschutz als zuständiger Fachbehörde eine Überarbeitung des „Fachkonzept für ein Wolfsmanagement in Deutschland“ (2007) sowie eine Aktualisierung der potenziellen Lebensräume/Verbreitung für Wölfe in Deutschland. Hierbei sind Hinweise zur Populationsdynamik, zum Herdenschutz gegen Wölfe, zu Wolfsbegegnungen sowie zur Anwendung des § 45 Abs. 7 Bundesnaturschutzgesetz erforderlich, um ein einheitliches Vorgehen in den Bundesländern weitestgehend sicher zu stellen.

8. Information und Bildung

Wir fordern von allen Beteiligten eine bundesweite, sachliche Aufklärung über die Lebens- und Verhaltensweise von Wölfen, um einen angemessenen Umgang mit wildlebenden Wölfen zu befördern.

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