Strahlenbelastung bei Wildschweinen – 30 Jahre nach Tschernobyl

Auch 30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl ist in manchen Regionen Bayerns eine erschreckend hohe Strahlenbelastung  bei Wildschweinen zu verzeichnen. Betroffen sind die Regionen, in denen es – als der radioaktive Fallout über Bayern hinweg zog – Regenniederschläge gab. So waren im Jahr 2014 im Landkreis  Augsburg 35% der untersuchten Wildschweine über dem zulässigen Grenzwert von 600 Bq/kg. Im ersten Halbjahr 2015 lagen sogar 64 % darüber. Im Landkreis Regen im Bayerischen Wald waren 2014 sogar 63% der untersuchten Wildschweine so stark verstrahlt, dass sie nicht mehr in den Handel gebracht werden durften. In den Landkreisen Weilheim-Schongau und Cham lagen knapp 25 % über dem Grenzwert. Darunter waren erschreckende Einzelwerte, die den Grenzwert um mehr als das 15-fache überstiegen, so in Cham mit 9.840 oder in Regen mit 9.836 Bq/kg.

Besorgniserregend für mich ist dabei, dass nur ein Teil der erlegten Tiere auch tatsächlich untersucht wird. So wurden im Landkreis Augsburg im Jagdjahr 2014/15 zwar 1717 Wildschweine erlegt, aber nur 521 Tiere untersucht. Ähnlich niedrig ist auch die Untersuchungsquote in dem hoch belasteten Landkreis Cham. Auch hier wurden von 925 erlegten Tieren nur zwei Drittel (636 Tiere) untersucht.

2016_04_14_Antwort_Strahlenbelastung_Wildschweine_II

Wild, Wildschweine, Wald, Wildsau
Daten im Internet veröffentlichen

Da ich die Antworten der Staatsregierung sprichwörtlich „unter aller Sau“ fand, insbesondere  die Dürftigkeit, mit der die Staatsregierung meine Anfragen beantwortet hatte, forderte ich mit meinem Antrag, die enorm hohe Strahlenbelastung von erlegten Wildschweinen endlich im Internet zu veröffentlichen. Denn während bei der Abfrage der Daten im letzten Jahr auch noch konkrete Aussagen zu den maximal gemessenen Strahlenbelastungen geliefert wurden, verweist die CSU-Regierung diesmal lapidar auf die Stichproben-Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Die Lebensmittelüberwachung hat aber im Jahr 2014 nur wenige Dutzend Stichproben gezogen. Auch bei den Bayerischen Staatsforsten liegen keine Einzelwerte vor. Mit meinem Antrag fordere ich daher, sämtliche Werte von erlegten Wildschweinen, die an den von den Bayerischen Staatsforsten betriebenen Radio-Cäsium-Messstellen gemessen werden, im Internet zu veröffentlichen. Darüber hinaus sind die Landratsämter anzuweisen, bei sämtlichen Ausgleichsanträgen nach § 38 Abs. 2 des Atomgesetzes das Datum und die im beigefügten Messprotokoll angegebene Belastung in Bq/kg zu dokumentieren und die Werte im Internet zu veröffentlichen.

In der Sitzung des Umweltausschusses am 12. Mai wurde mein Antrag von der CSU-Mehrheit mit der entlarvenden Begründung abgelehnt, Schwammerlsucher seien bestimmt noch mehr belastet als Wildsauesser und überhaupt würden wir damit nur Panikmache betreiben.

Verwandte Artikel